Gewinner des 2021-Fotowettbewerbs im Mai

Babyhandel
Philip Obaji
Nigeria

2019 wurde Mariam* im Alter von 16 Jahren in einer „Babyfabrik“ in Nigeria betrogen, gehandelt und wiederholt vergewaltigt.

Mariam und ihre Cousine lebten im Lager Madinatu Internally Displaced Persons (IDP) im Nordosten Nigerias, nachdem die Terrorgruppe Boko Haram 2017 ihr Dorf angegriffen und zerstört hatte. Das Flüchtlingslager war Berichten zufolge schlecht ausgestattet, es mangelte an ausreichend Nahrung und Vorräten für die Lagerbewohner. Aus Geldnot nahmen die Mädchen Jobs an, die ihnen ein Fremder vor den Toren des Lagers angeboten hatte, der ihnen gut bezahlte Hausarbeit in einer fernen Stadt versprach. Stattdessen wurden sie auf ein schwer bewachtes Gelände in einer anderen Stadt gebracht, wo die Cousins ​​​​sofort getrennt und brutal vergewaltigt wurden. Die Mädchen wurden – zusammen mit Dutzenden anderen – als Sexsklaven ausgebeutet und fast täglich von mehreren Männern vergewaltigt. Als die Mädchen schwanger wurden und ein Kind zur Welt brachten, nahmen ihre Menschenhändler ihre Babys und entließen die Mädchen dann aus der Gefangenschaft.

Der Boom illegaler Babyfabriken, die von kriminellen Netzwerken betrieben werden, ist ein wachsendes Problem in Nigeria und mittlerweile die dritthäufigste Kriminalität des Landes. Die Verbreitung von Babyfabriken ist mit der in den letzten 20 Jahren gestiegenen Nachfrage nach Kinderadoptionen im Land verbunden. Säuglinge, die Opfern von Frauenhandel und Mädchen in Gefangenschaft gestohlen wurden, werden von ihren Menschenhändlern in der Regel an kinderlose Paare verkauft, die eine Adoption wünschen. Die Babyfabriken geben sich oft als Waisenhäuser, Sozialfürsorgeheime und Entbindungskliniken aus, was es schwierig macht, genaue Daten über das Ausmaß des Verbrechens zu sammeln. Die Betreiber der Babyfabriken erhalten oft Rückendeckung und Schutz von prominenten und mächtigen Verbündeten. Allein im Jahr 2020 rettete die nigerianische Polizei 57 Frauen, Mädchen und Säuglinge, die in Babyfabriken festgehalten wurden. Das Wachstum von Babyfabriken trägt zu Nigerias bedeutendem Problem des Menschenhandels bei, von dem jedes Jahr schätzungsweise zwischen 750,000 und 1 Million Menschen betroffen sind, die zum Zwecke der Zwangsarbeit oder sexuellen Ausbeutung gehandelt werden.

* Name wurde geändert.